«Die Schweiz tut so, wie wenn die neuen Bedrohungen sie gar nichts angingen»

Der deutsche Militär­historiker Sönke Neitzel sagt, was die Bundes­wehr zur Sicherheit in Europa beitragen kann. Die Schweiz solle ihre Trittbrett­fahrerei aufgeben.

«Whatever it takes» – mit allen Mitteln werde Deutschland unter seiner Führung wieder verteidigungsfähig werden, versprach der wahrscheinlich nächste deutsche Kanzler Friedrich Merz Anfang Monat. Beschlossen ist, dass das Land zu diesem Zweck die Geldschleusen öffnet: Alle Ausgaben für Verteidigung, die über ein Prozent der Wirtschaftsleistung hinausgehen, sind künftig von der Schuldenbremse ausgenommen.

Welche Folgen hat die neue Sicherheitslage für ein kleines, bewaffnetes, neutrales Land wie die Schweiz? Die Schweiz sollte aus meiner Sicht ihre Trittbrettfahrerei aufgeben. Das Land profitiert enorm von der Sicherheit, welche die Nachbarn und die Nato letztlich gratis zur Verfügung stellen. Die Schweizer Armee ist in einem traurigen Zustand. Das Land tut aber so, wie wenn die neuen Bedrohungen es gar nichts angingen.

Was bedeutet dieser Entscheid für die Zukunft der Bundeswehr und für die Verteidigungsfähigkeit Europas? Der 56-jährige Sönke Neitzel lehrt Militärgeschichte in Potsdam und gilt als einer der besten Kenner der deutschen Streitkräfte. Bei C. H. Beck ist von ihm gerade ein Büchlein über die Geschichte der Bundeswehr erschienen.

Russland führt weiter Krieg, Donald Trumps USA lassen Europa allein, Deutschland plant, massiv aufzurüsten. Ist das nun die Zeitenwende 2.0, Herr Neitzel?

Blicke ich auf die vergangenen drei Jahre zurück – Kanzler Olaf Scholz rief nach dem russischen Überfall auf die Ukraine bekanntlich eine «Zeitenwende» aus –, bin ich mit dem Feststellen von Zäsuren vorsichtig geworden.

Ganzes Interview auf Tagesanzeiger, Foto: Bundeswehr