Dr. Peter Forster, Oberst/Rgt Kdt aD, Publizist und Buchautor
Manchmal erinnert einen der triste VBS-Sommer 2025 an die düsteren Armee-Jahre 2007/08. Das Jungfrau-Unglück, die Kander-Katastrophe, die Armeechef-Krise und dann Samuel Schmids Rücktritt. Jetzt jagt eine Hiobsbotschaft die andere: Der F-35 wird teurer, die Patriot-Raketen kommen später, die helvetisierte Drohne Hermes 900 will nicht so recht fliegen.
Aber eines sollten wir dringend beachten: Bei aller Unbill geht es in gefahrvoller Zeit letztlich um die Verteidigung unseres Vaterlandes – per Verfassung um eine der noblen Staatspflichten. Wir müssen politisch und militärisch durchhalten; ungeachtet des bitteren Erbes, das uns Viola Amherd und ihre Kronberaterin Brigitte Hauser-Süess hinterlassen.
Selbst der Zollkrieg zwischen Präsident Trump und der Schweiz hat eine militärische Komponente, die nicht zuletzt auf Versäumnisse aus der tristen Amherd-Zeit zurückreichen. Schlampige Verträge unter der Federführung einer Politikerin, die keinen Bezug zur Armee fand, rächen sich nun bitter.
36 F-35 – und nicht weniger
Die amerikanische Nachforderung zum F-35 lässt uns wenig Optionen. Wir können versuchen, die USA zum Einlenken zu bewegen. Die Aussichten sind nicht rosig. Oder wir reduzieren die Anzahl Flugzeuge. Doch nur Scharlatane schreiben, wir kämen mit 30 Maschinen davon. Das ist eine Milchmädchenrechnung. Kommt uns das Geschäft auf 7,2 Milliarden Franken zu stehen, erhalten wir ungefähr 24 Jets. Damit fällt unsere Durchhaltefähigkeit auf ein bis zwei Wochen. Das viel kleinere Finnland schafft 64 F-35 an – für 1’340 Kilometer russische Grenze.

Bleibt die Option Nachtragskredit. Wenn die FDP und die SVP zusammenstehen und die Mitte für ihren Bundesrat stimmt, was zu hoffen ist, dann sollten der National- und der Ständerat in den sauren Apfel beissen. Aber bitte ohne Finanzreferendum, das die Schweiz nicht kennt. Ein nachträglicher Kredit erfordert keine Volksabstimmung.
Der Astronaut und Militärpilot Claude Nicollier kam zum Schluss, die Schweiz sollte 70 Exemplare F-35 beschaffen, nicht 36. Das wäre ein robuster, eigenständiger Beitrag an Europas Sicherheit. Der NATO ist die „Alpenlücke“ im europäischen Luftraum ein Dorn im Auge. Ob das österreichische Bundesheer mit seinen Eurofightern die Lücke schliessen kann, steht in den Sternen. Wenn die Schweiz ernst genommen werden will, hält sie an 36 oder mehr F-35 fest.
Patriot später – nur wann?
Mitte Juli befahl Präsident Trump seinem Pentagon-Chef Hegseth, er müsse dafür sorgen, dass den NATO-Partnern die Patriot-Raketen ersetzt werden, welche diese an die notleidende Ukraine abgeben müssen. Das verzögert die Auslieferung der Waffen an andere Staaten. Auch die Schweiz ist direkt betroffen, die Missile kommen später.

Niemand in Bern kann sagen, was „später“ konkret bedeutet. Ist es ein Jahr? Sind es vier, fünf? Insider wären froh, wenn wir mit zwei, drei Jahren davonkämen. Neckischerweise schreit die politische Linke weit weniger schrill auf als beim F-35. Schliesslich geht es letztendlich um den Schutz der Ukraine! Schwarz bleibt an Violas Amherd die Tatsache, dass sich damit unsere Abwehr gegen ballistische Raketen verzögert. Was das bedeutet, bewiesen die iranischen Shahab-3 und Sejil auf Israels Städte.

Die Schweizer Flab-Lücke ist erheblich. Sie umfasst den Objekt-Schutz (die berühmte „Brücke von Burgdorf“) und für mithin einige Zeit weiterhin die Abwehr gegen die ballistischen Bedrohung. Doch wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Mit der noblen deutschen Firma Diehl konnte der Vertrag zur Lieferung der Mittelstrecken-Waffe Iris-T abgeschlossen werden.
Helvetias Hermes 900
Ein Schweizer Trauerspiel sondergleichen beobachten wir zur Hermes 900. Statt Israels vielfach bewährte Originalversion zu kaufen, wird sie auf Teufel komm raus helvetisiert.
Der Clou ist die Enteisung. Um über die Alpen zu fliegen, muss das Fluggerät enteist werden. Nur: Um die Flügel zu heizen, ist der Motor schlicht und ergreifend zu schwach. Als die Schweiz die Drohnen bestellte, war vom Eis und den Hochgebirgsflügen keine Rede. Der Vertrag enthält keine entsprechende Klausel. Auf die Idee, man könnte eine der Hermes auf der Alpensüdseite stationieren, ist offenbar noch niemand gekommen.

Im israelischen Zwölftagekrieg gegen Iran bewährten sich die Drohnen zu 100%. An einem kritischen Morgen meldete der Geheimdienst Mossad, um 6.30 Uhr starteten dezentral auf sechs Werfern ballistische Raketen gegen den frühen Berufsverkehr in Tel Aviv. Die Luftwaffe verfügte gerade nicht genügend Kampfjets der Combat Air Patrol. Aber etliche Hermes 900 kreisten über Irak. Um 6.15 Uhr schlugen sie zu, keine einzige Shabab oder Sejil ging ab.

Nüchterne Experten schätzen den helvetischen Anteil am Drohnen-Problem auf 80%. Mit unserem Wahn, alles noch besser machen zu wollen als andere Nationen, verlieren wir Zeit, Geld und Kampfkraft. Und wir machen uns zum Gespött. Dem Rüstungschef Urs Loher ist es hoch anzurechnen, dass er ein Machtwort sprach und verhinderte, dass bei einem Fahrzeugkauf der ähnliche deutsche Farbanstrich den Swiss Finish haben musste.
Unabhängigkeit und Sicherheit
Wir müssen jetzt den Verstand einschalten. Gegen den Berner Belagerungsring der Mainstream-Medien wollen wir nicht vergessen, was unsere Verfassung dem Bund der Eidgenossen vorschreibt: „Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Landes.“
Gewiss, die Armee leidet unter Viola Amherds elender Hinterlassenschaft. Doch das Kind mit dem Bad ausschütten? Nein! Das schulden wir all denjenigen, die im Ernstfall mit ihrem Engagement die Armee tragen und notfalls mit ihrem Leben für unsere freie Schweiz einstehen – anders als die Zivis, die dann ihr Herrendasein fortführen.