Dr. Peter Forster, Oberst/Rgt Kdt aD, Publizist und Buchautor
Erneut hat der VBS-Chef Martin Pfister einen trefflichen Entscheid gefällt. Er beantragte dem Bundesrat, den 60-jährigen Divisionär Benedikt Roos per 1. Januar 2026 zum neuen Chef der Armee zu wählen. Heute ist die Wahl erfolgt. „Bänz“ Roos bringt alles mit, was es zum Armeechef braucht. Er ist Berufsoffizier, ein vielfach bewährter Truppenführer, ein glänzender Generalstäbler, er kennt die Berner Politik, versteht die Kantone und ist als Ökonom mit der Wirtschaft gut vertraut. Obendrein stammt er als Panzeroffizier aus einer Kampftruppe.
Bure – 10 Grad unter Null
Ich lernte den damaligen Oberstleutnant im Generalstab Roos kennen, als er in der Panzerbrigade 1 das Panzerbataillon 12 kommandierte. Brigadier Daniel Berger unterzog jeweils kurz vor Weihnachten seine Bataillone in Bure der strengen Truppenübung „LARGO“. Eine Kompanie trainierte im Raum Rondat die Abwehr, die anderen Einheiten griffen vom Tcherteau aus an.
Es war 10 Grad unter Null, eine steife Bise fegte von der Pforte von Belfort her über den Waffenplatz. Um 22 Uhr befahl Berger dem Bataillon: „Bereit um 5 Uhr“. Roos ordnete an: „Wir beziehen das Biwak.“ Nie vergesse ich, wie die hartgesottenen Panzersoldaten- und -grenadiere ihre Fahrzeuge quer in den Wind stellten, auf der geschützten Seite etwas Stroh aufschütteten und zum notdürftigen Schutz eine Zeltblache darüber zogen.
Um 5 Uhr war das Bataillon 12 bereit, es bestand den Test „LARGO“ glänzend. Ein Jahr vorher hatte ich ein Bataillon erlebt, das in Einerkolonne die warmen Schlafsäle der Kaserne aufsuchte – und um 5 Uhr nicht „bereit“ meldete. Nach dem Bataillon von „Bänz“ Roos wollte es der Zufall, dass ich um 16 Uhr in Bern bei Bundesrat Samuel Schmid einen Termin hatte. Von der Leber weg berichtete ich ihm vom Erlebnis in Bure. Dazu meinte er nur: „Sind halt Berner!“
Verteidigen, nicht nur schützen
2018 übernahm Brigadier Roos die mehrheitlich Ostschweizer Mech Brigade 11. In Chur hatte er seinen ersten grossen Rapport mit mehreren 100 „gelben“ Offizieren. Breitbeinig stand er in der Stadthalle auf der Bühne – und erzählte in seinem breiten Mutterdialekt gleich einen guten Berner Witz; wenn ich mich richtig erinnere, hatte die Pointe mit der Schlacht bei Laupen anno 1339 zu tun. Alle lachten, alle applaudierten – innert weniger Sekunden hatte der Berner Roos die Ostschweizer gewonnen. Dann setzte er der Brigade seine Werte und Ziele vor; auch das hatte Hand und Fuss, versteht sich.
Die Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit ist für Benedikt Roos kein leeres Wort. Dass die Armee unser Vaterland nicht nur schützen, sondern auch verteidigen kann, liegt ihm sehr am Herzen. Bundesrat Pfister hatte jetzt die Qual der Wahl. Auch KKdt Laurent Michaud, der Chef Kommando Operationen, hätte erhebliche Qualitäten mitgebracht. Nun ist der Entscheid gefallen. Dem Panzeroffizier Roos ist es zuzutrauen, dass er in den kommenden Jahren unsere Armee wieder verteidigungsbereit macht – kompetent, umsichtig, zäh und energisch.
Foto: VBS/DMA