Neues Radar: Stossende Benachteiligung Israels

Dr. Peter Forster, Oberst/Rgt Kdt, Publizist und Buchautor

Die Schweizer Armee braucht dringend ein neues Radar kurzer Reichweite. Das System TAFLIR ist in die Jahre gekommen, sein Ersatz ist zwingend. Das zu beschaffende System soll in Tälern auf 20 Kilometer anfliegende Fluggeräte erkennen, zum Beispiel tieffliegende Drohnen, siehe die Attacken auf Polen, Dänemark und Deutschland. Vor Jahresfrist entdeckte auch die Schweiz über dem Flugplatz Meiringen unbekannte Drohnen, die in den gesperrten Luftraum eingeflogen waren.

Ursprünglich sieben Bewerber

Umso intensiver trieb die Armasuisse die Beschaffung des Radars auf kurze Distanz seit dem Frühjahr 2025 voran. Das Bundesamt für Rüstung lud sieben ausländische Firmen zur Offertstellung ein und verengte die Angebote auf die Shortlist von vier Bewerbern: aus Italien Leonardo, aus Deutschland Hensoldt, aus den USA den Konzern SRC und aus Israel den Staatsbetrieb Israel Aerospace Industries Elta (IAI). Das Bundesamt für Rüstung unterzog die vier Konkurrenten der gewohnt strengen Evaluation: unvoreingenommen, gemäss Schweizer Qualität und Präzision.

Und siehe da: Auf der Suche nach dem besten Produkt schwang IAI obenaus, vor Leonardo, SRC und Hensoldt. Dies überraschte die Fachwelt nicht; gilt IAI doch in Sachen Radar weltweit als Branchenleader. Mit dem System von IAI entschied sich die Armasuisse für ein erstklassiges, weit herum bewährtes Produkt, das alle Anforderungen für unsere Bedürfnisse, auch unser Gelände erfüllte – und das erst noch zu einem guten Preis.

Unfair hineingegrätscht

So weit, so gut. Aber nun schritt die Politik ein. Der Auftrag sei an den italienischen Konzern Leonardo zu vergeben – dies aufgrund der vom Bundesrat am 20. Juni 2025 verabschiedeten Rüstungspolitischen Strategie (60% Schweiz, 30% Europa, 10% übrige Welt). Ein israelisches Radar komme nicht in Frage, IAI dürfe nicht mit der Herstellung und Lieferung des Systems beauftragt werden. Dass die Politik so spät in ein laufendes Verfahren, so unfair hineingrätscht, ist in mehrfacher Hinsicht ärgerlich.

– Erstens fehlt jegliche gesetzliche Grundlage, dass nicht in Israel beschafft werden darf.

– Zweitens benachteiligt das „Gewohnheitsrecht“ ausgerechnet den wehrhaften Kleinstaat Israel. Als einziger werden er und seine Unternehmen  benachteiligt.

– Drittens ist es falsch, aus politischen Gründen eine global angesehene, top-zuverlässige Firma zu eliminieren – und dies mitten im Spiel. IAI beteiligte sich in gutem Glauben an der für die Firmen kostspieligen Evaluation, es kämpften alle mit gleich langen Spiessen. Erst im Nachhinein erfuhren die Israeli, dass die Regeln im Spiel geändert wurden. Das Verfahren kann nur als Verstoss gegen Treu und Glauben gewertet werden – immerhin einer der Schweizer Werte, die von Bundesbern jetzt wieder so innig beschworen werden.

– Viertens erweckt die schwammige amtliche Mitteilung, es werde „das vorteilhafteste Produkt“ berücksichtigt, den falschen Eindruck, Leonardo habe die Evaluation dank dem besten Radar gewonnen. Von der politisch motivierten Intervention ist nicht die Rede! Sie wird verschwiegen: von umfassender Information keine Rede!

Politisch genehm

Israel und sein führender Rüstungsbetrieb hätten Besseres verdient als die Winkelzüge im VBS. Und unsere Kader und Soldaten erhalten nicht das beste, kriegserprobte Produkt, sondern das politisch genehme.

Foto: Aktuelles TAFLIR Radar der Schweizer Armee (VBS/DMA)