von Jürg E. Kürsener
Nebst zahlreichen Marineverbänden und anderen Formationen mit
- Der USS Gerald Ford Carrier Strike Group 12 mit den Begleitzerstörern USS Bainbridge, USS Mahan und USS Winston S. Churchill, einem Versorgungsschiff und einem Atomuboot (mit dem Marinefliegergeschwader 8 an Bord, u.a. mit 44 F/A-18 E/F Super Hornet und 5 EA-18G Growler)
- Der USS Iwo Jima Amphibious Readiness Group mit der USS Iwo Jima, USS Fort Lauderdale und USS San Antonio (u.a. mit 2’000 Marines der 22nd Marine Expeditionary Unit, 6-8 AV-8B Harrier)
- Weiteren Überwasserkampfschiffen, Ubooten und Versorgungsschiffen, so u.a. mit dem Raketenkreuzer USS Lake Erie, den Raketenzerstörern USS Jason Dunham, USS Gravely und USS Stockdale sowie dem Littoral Combat Ship USS Wichita, sowie das Versorgungsschiff USNS Kanawha (Tanker).
- Anfangs Dezember ist der Raketenzerstörer der Arleigh Burkre-Klass USS Thomas Hudner dazu gestossen
- Einer unbekannten Zahl von Special Operation Forces (inkl SEALS)
hat das Pentagon
- F-35A Lightning II Kampfflugzeuge, AC-130 Gunships sowie MQ-9 Reaper Drohnen der USAF in die Region (u.a. vermutlich in Puerto Rico, welches noch immer etwa 800 km von Venezuela entfernt ist)
- F35B des Marinecorps nach NS Roosevelt Roads (Puerto Rico) verlegt. Die einst stillgelegte US Einrichtung wird seit dem 7.9.25 wieder aktiviert.
- Diese Woche zudem eine weitere Staffel der US Navy mit sechs EA-18G Growler (der Staffel VAQ-132) vom Luftstützpunkt Whidbey Island (Staat Washington) in die Region verlegt (vermutlich NS Roosevelt Roads auf Puerto Rico, St. Croix auf den US Virgin Islands und/oder Guantanamo) verlegt.
Und jetzt, neu (11.12.25), sollen auch
- KC-135R Stratotanker und mindestens 5 KC-46 Pegasus Tankerflugzeuge (in die Dominikanische Republik aus) und
- HH-60W Rettungshelikopter sowie HC-130J Combat King verlegt worden sein.
Ausgerechnet in dieser kritischen Phase hat am Freitag der Kommandant des «Southern Command», Admiral Holsey, auf eigenes Ersuchen das Kommando abgegeben. Bis der neue Befehlshaber ernannt und vom Senat bestätigt ist, wird Generalleutnant Evan Pettus, ein Pilot der US Air Force, als Dreisternoffizier das Kommando übernehmen. Nicht unbedingt ideale Voraussetzungen, um eine Krise zu bewältigen.
Beurteilung
Der Aufbau einer Interventionstruppe geht weiter. Es werden jetzt mit den Rettungsfliegern Einheiten in die Region gebracht, die man kaum mehr nur als Mittel für eine Drohkulisse bezeichnen kann. Vielmehr werden solche Einheiten idR nur in Krisenregionen verlegt, wenn man sie auch wirklich braucht. Man braucht diese Mittel vor allem dann, wenn mit Verlusten von Flugzeugen und Besatzungen gerechnet werden muss.
Die Zeit drängt. Einerseits stehen die Marineverbände schon seit vielen Wochen vor Venezuela, ihre Besatzungen sind seither mehrheitlich ohne Hafenurlaube auf hoher See. Die Anforderungen an die Besatzungen sind enorm, die Mannschaften kommen an ihre Leistungsgrenzen. All dies und die zeitliche Nähe zu den Festtagen deuten darauf hin, dass demnächst ein Einsatz erfolgen könnte.
Die Intervention kann auf verschiedene Arten erfolgen:
Prioritäres Ziel dürfte nicht allein der Kampf gegen die Drogen, sondern Maduro sein, der aus dem Amt gedrängt, beseitigt, oder zur Flucht bewegt werden soll. Ferner dürfte bezweckt sein, die Armee zu einem Kurswechsel zu drängen und letztlich der Opposition zur Übernahme der Regierungsgewalt zu verhelfen. Last but not least wird den USA vorschweben, alles andere wäre nicht Trump, mit einer solchen Aktion auch die Hand auf die Erdöl-Ressourcen Venezuelas zu legen. So gesehen könnte die Aktion gegen die Drogenkartelle als Vorwand für diese Intervention gesehen werden.Intensivierung des politischen, diplomatischen und militärischen Drucks auf Maduro (zB Überflüge über Caracas, inkl mit Bombern B-1 und B-52, so bereits geschehen), verbunden mit dem Aufschwung der Opposition (Friedensnobelpreis Verleihung in Oslo), welche dadurch weltweit an Aufmerksamkeit gewinnt
- Intensivierung der «Piraterie» gegen Öltanker und Fortsetzung des Kampfes gegen Drogenboote in der Karibik
- Weitere, meist unbekannte Aktionen durch die CIA, zwecks Destabilisierung des Regimes Maduro, möglicherweise auch durch verdeckte Operationen im Inneren Venezuelas
- Luftschläge (Kampfflugzeuge, Marschflugkörper), insbesondere gegen Kokain- ua Produktionsstätten im Urwald Venezuelas (Tom Clancy hat vor Jahren in seinem Buch «Clear and Present Danger» das Drehbuch für solche Aktionen – dort allerdings in Kolumbien – geliefert)
- Begrenzte Luftschläge, ggf kombiniert mit Einsätzen von Marines, SOF und/oder Luftlandtruppen gegen Schlüsselziele in Venezuela selber (ua Führungs- und Kommunikationseinrichtungen der Regierung und der Armee, Militärflugplätze, Regierungseinrichtungen Maduros, uam)
- Eine umfassende Aktion mit Truppen im Landesinneren Venezuelas ist kaum zu erwarten.
- Es ist nicht auszuschliessen, dass die USA begleitend zu militärischen Aktionen der Bevölkerung erste Hilfsmassnahmen bieten (zB Lebensmittel und medizinische Versorgung).
- Sollten Aktionen zu Lande erfolgen, ist ein Risiko der Konfrontation mit kubanischen und russischen, ggf auch weiteren Kräften vor Ort nicht auszuschliessen, dürften aber von den US möglichst gemieden werden.
- Die USA dürften insgesamt eine militärische Operation bewusst zeitlich und umfangsmässig kontrolliert einzugrenzen versuchen.