Exzerpt aus dem Interview mit Selina Berner uund Lukas Mäder: In seiner Amtszeit kam der Krieg zurück nach Europa. Im grossen Gespräch sagt Thomas Süssli, welche Gefahr von Russland ausgeht und weshalb die Armee schon jetzt mit der Nato kooperieren muss.
Sie waren der erste Chef der Armee, der den Mangel öffentlich so klar benannt hat. Das löste irritierte Reaktionen aus. Hat Sie das überrascht?
Nein. Mir war bewusst, dass ein anderes Bild existiert. Ich erinnere mich noch genau an den 24. Februar 2022, als Russland die Ukraine angriff. Für mich war klar: Jetzt braucht es schonungslose Ehrlichkeit. Die Bevölkerung und die Politik dürfen nicht glauben, die Armee sei verteidigungsfähig, wenn sie es nicht ist.
- Im jetzigen Tempo wäre die Schweizer Armee um das Jahr 2050 verteidigungsbereit, in über zwanzig Jahren. Das ist doch zu spät.
Wenn man erst ab 2032 oder 2035 ein Prozent des Bruttoinlandproduktes investieren will, dann dauert es so lange. Und ja: Das ist zu lang angesichts der Bedrohung.
- In der Politik kam Ihre Ehrlichkeit nicht überall gut an. Haben Sie sich manchmal als einsamer Rufer gefühlt?
Zumindest als exponierter Rufer. Ich erhielt gewisse Unterstützung von Verbänden oder Einzelpersonen. Aber insgesamt habe ich nicht das Gefühl, dass seither ein Ruck durchs Land gegangen wäre.
- Könnte die Armee heute die Schweiz verteidigen?
Das hängt vom Szenario ab. Auf nichtstaatliche Akteure, die Anschläge auf kritische Infrastruktur verüben, sind wir vorbereitet. Das haben wir zwanzig Jahre lang zusammen mit den zivilen Behörden geübt. Wir können auch im Cyberbereich unterstützen. Was wir nicht können: Bedrohungen aus der Distanz abwehren oder gar einen umfassenden Angriff auf unser Land.
Ganzes Interview auf NZZ (Bezahlartikel), Foto: Karin Hofer (NZZ)