Jürg E. Kürsener
«Die Dankbarkeit ist kein Gefühl von langer Dauer. Wenn auch die öffentliche Meinung Ihre Verdienste um die Erhaltung der Freiheit heute noch würdigt, kann doch diese Anerkennung bald verblassen. Nur in bescheidendem Masse können Sie (gemeint sind die Zuhörer vom 19.8.45, Anm JK) mit dem Aktivdienst als einem moralischen Kapital rechnen, so schön und so kostbar die Erinnerungen auch sind, die Sie und wir alle davon bewahren (…..). Unser Volk möchte heute in seiner grossen Mehrheit nicht darüber nachdenken, ob und auf welche Weise unser Land in Zukunft von neuem bedroht werden könnte: es hat sich auch zwischen 1920 und 1930 und sogar später wenig mit dieser Frage beschäftigt. Was wir damals, besonders seit dem Jahr 1935, unternahmen, um es aufzurütteln, um ihm ins Gewissen zu reden und es zur Wachsamkeit aufzurufen – was wir damals getan haben, werden wir immer wieder aufs Neue tun müssen».
(General Guisan hat diese Worte im Rahmen einer längeren Rede vor 400 Offizieren und dem Vorsteher des EMD, Bundesrat Kobelt, am Abend des 19. August 1945 vor dem KP im Schloss Jegenstorf und im Anschluss an die Fahnenehrung auf dem Bundesplatz in Bern, gehalten. Hervorhebungen durch Jürg Kürsener).
Was für weise Worte General Guisans’, die heute nicht aktueller sein könnten. Seine Hinweise auf die Jahre vor dem 2. Weltkrieg und den Aktivdienst lassen sich nahtlos auf die heutige Zeit übertragen.
Aus der Biographie von Willi Gautschi «General Henri Guisan. Die Schweizerische Armeeführung im Zweiten Weltkrieg», NZZ Verlag, 1989, Seiten 658/659.