Dr. Peter Forster, Oberst/Rgt Kdt, Publizist und Buchautor
Kein Tag vergeht, ohne dass der Schweizer Medien-Mainstream die USA und ihre Kriegspolitik aufs Korn nimmt. Nichts ist „korrekt“, Präsident Trump „unzuverlässig“, „sprunghaft“, „ohne Plan“ – kurz: unfähig, eine Gefahr für die ganze Welt.
Nun macht es Donald Trump mit seinem erratischen Gehabe den vereinigten Kritikern ausgesprochen leicht. Ohnehin arbeiten sich diese, via Tagesanzeiger verstärkt durch die Edelfedern der Süddeutschen Zeitung, seit einem Jahrzehnt unablässig am 45. und 47. Präsidenten der USA ab. Und zu Iran brach er sein Wahlversprechen, er werde nie einen Krieg vom Zaune reissen.
Wenn der Orient nur so einfach wäre – die Weltgegend, die sie in den Redaktionsstuben von Zürich nur vom Hörensagen kennen. Kein Wort lesen wir zu den deklarierten Kriegszielen, Irans Atom- und Raketenrüstung sei zu zerstören. Geprägt wird die Polemik vom dritten Ziel, dem Machtwechsel in Teheran.
In zehn Tagen zu stürzen?
Die fanatischen Kleriker und die alles beherrschenden Revolutionswächter sitzen seit dem 16. Februar 1979 fest im Sattel. Ihre Repression ist umfassend, vor Blutvergiessen schrecken sie nicht zurück – siehe den 9./10. Januar 2026. Wer glaubt da, so ein Regime, so eine Herrschaftsclique sei in zehn Tagen zu stürzen?
So eilig hatte es die Garde mit der Wahl ihres Zudieners Mojtaba Khamenei, dass sie nicht einmal die Beerdigung von Mojtabas Vater Ali abwarten konnten.
Ob dem schwer zu erreichenden Machtwechsel geht die Tatsache unter, dass die USA mit Israels Unterstützung zuerst einmal die Atomrüstung zerschlagen und das gegnerische Raketenpotential vernichten müssen. Für die Israeli geht es schlicht um das Überleben ihres mittlerweile 77-jährigen Staates. Erlangte das Ayatollah-Regime die Atombombe, wären die Agglomeration Tel Aviv und der Landstrich um Haifa keinen Tag mehr sicher.
Netanyahu hat es leichter
Das ist auch der Grund, weshalb Israels Premier Netanyahu den Krieg nicht so schnell abbrechen will wie am 24. Juni 2025 den 12-Tagekrieg. Trump und Netanyahu stehen 2026 beide vor kritischen Wahlen. Nur hat es Netanyahu innenpolitisch unendlich leichter als Trump. Schon steuern die USA auf die Zwischenwahlen vom 3. November 2026 zu, in denen Trumps Republikaner herbe Verluste drohen.
Ohnehin verliert in aller Regel die Partei des amtierenden Präsidenten die Zwischenwahl. Und ein längerer Krieg mit toten Amerikanern, hohen Benzinpreisen und sehr viel weniger im Portemonnaie am Monatsende – das verheisst Trump wenig Gutes für den ersten Dienstag im November. Netanyahu dagegen weiss gegen Irans Atombombe sein Volk hinter sich. Der zweite Luftkrieg gegen Teheran ist unbestritten, und die israelischen Piloten schneiden wie im ersten gut ab.
Und ein Letztes: Vielleicht schauen die neunmalklugen Redaktoren auf ihren Bildschirmen auch einmal die iranische Karte mit den Raketen-Reichweiten an: Längst reichen die Projektile bis tief nach Europa hinein. Die Folgerung daraus zu ziehen, überlasse ich getrost Ihnen, sehr verehrte Leserinnen, geschätzte Leser: Gewiss entdecken sie selber, wem der Krieg gegen die Ayatollahs und ihre Garde auch noch dient.
(Grafik: TUBS/Wikimedia)