Dr. Peter Forster, Oberst/Rgt Kdt, Publizist und Buchautor
In den Schweizer Medien herrscht die Saure-Gurken-Zeit. Mit überlangen Texten füllen die Redaktionen ihre Spalten. Und fast schon traditionell dienen die Armee, das VBS und namentlich die Armasuisse in den kargen Newstagen als Lückenbüsser.
Anwürfe wie Ehrenmeldungen
In den Tagesanzeiger-Zeitungen dienen Panzer und der F-35 als Renner. Jede Woche werden Kampfwagen und der beste Kampfjet durch den Kakao gezogen werden – zu dem oft die Politikerinnen Roth und Seiler Graf ihren Senf geben: in der Mélange ein unappetitliches Menu.
Gegen die Panzer gesellen sich gern die Departemente Jans und Baume-Schneider hinzu. Doch allein schon die Parteifarbe der beiden Magistraten sagt alles: Es ist die Partei, die nach wie vor in ihrem Programm die Armee abschaffen will.
Zum F-35 nehmen sich die Anwürfe der Journalisten wie Ehrenmeldungen aus. Ein Jet der 5. Generation, an dem die Schreiber derart viele „Mängel“ zu entdecken glauben, muss ja ein technisch-taktisches Wunderwerk sein.
„Train the trainer“
In Fort Worth, Texas, hat Lockheed Martin mit der Produktion der Schweizer F-35 begonnen. Die ersten acht Flugzeuge werden eine Zeitlang in den USA bleiben. Unsere Luftwaffe entsendet ausgewählte Piloten nach Amerika, die dort trainieren, um dann das Gelernte in der Schweiz ihren Kameraden beibringen zu können. „Train the trainer“, lautet die Erfolgsformel.
Lockheed Martin begann die Herstellung der Schweizer Flugzeuge auf den Tag genau – wie im Vertrag festgehalten. Der grösste Rüstungskonzern der Welt handelt auch gegenüber der Schweiz als top-korrektes Unternehmen. Unsere Flieger erhalten auf ihren Maschinen eine umfassende Ausbildung und ein sinnvolles Training.
Überhaupt könnten sich in Sachen sorgfältiger Arbeit die Berner Miesmacher von Lockheed Martin eine Scheibe abschneiden. Dass die Schweiz jetzt weniger Jets bekommt als die vorgesehenen 36, trifft in der Schuld nicht die amerikanische Firma.
Der ominöse F-35-Vertrag wurde von der Eidgenossenschaft mit der Regierung in Washington abgeschlossen, nicht mit dem Hersteller. Der Preis, den Schweizer Amtspersonen offenbar gründlich missverstanden, wird vom Pentagon mit Lockheed Martin in der Produktion für jeden Slot neu bestimmt. Aber die einschlägigen Würdenträger sind in Bern längst aus Amt und Würden geschieden.
F-35 wird zum NATO-Jet
Allein immer mehr europäische Luftwaffen schaffen den F-35 an. Mit den Bestellungen aus Polen und Finnland wird das Flugzeug aus Fort Worth nun vollends zu dem Kampfjet der NATO. In den Evaluationen von Warschau und Helsinki schwang der F-35 so sicher obenaus, wie er mit Start in Payerne und Meiringen über den Schweizer Alpen das Rennen gemacht hatte.
Mehr ist zur Polemik einzelner Zürcher Medien nicht zu sagen. Die Schweiz tut jedenfalls gut daran, sich mit dem F-35 für eine lange, erfolgreiche Zukunft zu rüsten.